Unsere GeschichteAus der Praxis entstanden. An den Aufgaben gewachsen.

Die Geschichte von Helden e.V. ist die Geschichte einer Lücke, die geschlossen werden musste: Trainer, die täglich mit Schulklassen arbeiteten, sahen Ausgrenzung, Mobbing und Gewalt – und eine Erlebnispädagogik, die darauf keine ausreichenden Antworten hatte. Aus der Entscheidung, diese Antworten selbst zu entwickeln, ist in zehn Jahren ein anerkannter Träger der freien Jugendhilfe geworden, dessen Programme heute in allen 16 Bundesländern rund 20.000 junge Menschen pro Jahr erreichen.

Die Gründung2015 – erfahrene Trainer entscheiden sich für einen eigenen Weg

Die Gründer von Helden e.V. kannten die Realität an Schulen nicht aus Berichten, sondern aus jahrelanger eigener Arbeit: als erlebnispädagogische Trainer für verschiedene Anbieter, in Jugendherbergen und Klassenräumen quer durch Deutschland. Und sie stießen immer wieder an dieselbe Grenze. In den Klassen saßen Kinder, die ausgegrenzt, gemobbt, allein gelassen wurden – und die klassische Erlebnispädagogik mit ihren Teamübungen und Kooperationsaufgaben hatte auf diese Dynamiken keine tragfähigen Antworten. Was fehlte, war ein Ansatz, der die Mechanismen von Ausgrenzung und Gruppendruck selbst zum Gegenstand macht – und Kinder befähigt, ihnen etwas entgegenzusetzen.

Am 16. November 2015 wurde Helden e.V. in Hövelhof gegründet – von Trainern, unter ihnen Sven Fritze, Psychologe und Erlebnispädagoge, und Thorsten Kröber, Erlebnispädagoge mit Schwerpunkt Persönlichkeitsentwicklung und politischer Bildung, die den Verein bis heute führen. Die Gründungsidee war so einfach wie anspruchsvoll: Erlebnispädagogik und Sozialpsychologie zu einer eigenen Methodik zu verbinden – und Kinder zu Verbündeten füreinander zu machen. Aus dieser Idee entstand im ersten Jahr das Programm, das bis heute das Fundament des Vereins ist: die Heldenakademie.

Die wissenschaftlichen Wurzeln Von der Bystander-Forschung zur Heldenakademie

Die junge Methodik des Vereins hatte von Anfang an eine wissenschaftliche Verwandtschaft: die Sozialpsychologie des Eingreifens – die Forschung dazu, warum Menschen in Gruppen wegsehen und was sie zum Handeln bringt. International stand dafür vor allem das Heroic Imagination Project des Sozialpsychologen Philip Zimbardo (1933–2024), der sein Lebenswerk umgedreht hatte: von der Frage, wie gewöhnliche Menschen Böses tun, zur Frage, wie gewöhnliche Menschen zu couragiert Handelnden werden.

Der Kontakt entstand, wie vieles in diesem Verein, aus einem Gespräch. Wenige Monate nach der Gründung, bei einer Fachtagung, erzählte Sven Fritze abends vom neu gegründeten Verein. Jemand am Tisch fragte, ob das nicht dem ähnele, was Philip Zimbardo in den USA mit seinem Heroic Imagination Project mache. Noch in derselben Nacht ging eine E-Mail nach Stanford. Am nächsten Morgen kam die Antwort: Zimbardo lud nach Nimwegen ein, zum Hero Round Table im folgenden Monat, mit anschließender Trainerausbildung des Projekts, bei ihm persönlich. Noch im selben Jahr übernahm der Verein die deutsche Vertretung des Heroic Imagination Project. Diese Verbindung hat die Programmarbeit wissenschaftlich geerdet und international angeschlossen. Philip Zimbardo blieb dem Verein bis zu seinem Tod verbunden.

In dieser Zeit begann auch die Zusammenarbeit mit Michelle Werning, der ersten Trainerin des Heroic Imagination Project in Deutschland – und bis zu ihrem frühen Tod eine wichtige Mentorin dieses Vereins. Von ihr stammt der Satz, den bis heute jedes Kind am Ende einer Heldenakademie auf einem Bändchen mit nach Hause nimmt: Everything you do makes a difference.

A program with the potential to change the world for the better that goes far beyond normal school education and team trainings. Here is where the heroes of tomorrow are made.

Philip Zimbardo (1933–2024), Sozialpsychologe, Professor emeritus der Stanford University, Gründer des Heroic Imagination Project und Schirmherr des Helden e.V.

Programme als Antworten Jedes unserer Programme ist eine Antwort auf seine Zeit

Der Verein ist nicht gewachsen, indem er ein Produkt vervielfältigt hat – sondern indem er auf gesellschaftliche Entwicklungen mit neuen Konzepten geantwortet hat. Diese Reaktionsfähigkeit ist bis heute Teil unseres Selbstverständnisses:

Die Methode bekommt ein Modell„Doch, ihr habt ein Modell.“

2019 stellten wir den Verein dem Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) der Universität Bielefeld vor – die drei Säulen: erfahrbare sozialpsychologische Experimente, erlebnispädagogische Teamaufgaben, ein positiver Werterahmen. Auf die Frage nach dem wissenschaftlichen Modell dahinter mussten wir passen – und bekamen eine Antwort, die den Verein verändert hat: „Doch, ihr habt eines. Ihr habt es nur nie aufgeschrieben.“

Ein Wissenschaftler des Instituts unterstützte uns kollegial dabei, es aufzuschreiben: das erste wissenschaftliche Wirkmodell der Heldenakademie, mit primären und sekundären Zielen, Wirkmechanismen und Methoden. Seitdem gilt im Verein eine feste Reihenfolge, die aus einem Praxisbetrieb einen lernenden Fachträger gemacht hat: Jedes neue Programm bekommt zuerst sein Wirkmodell – und dann erst seine Praxis.

Seit 2015 Meilensteine

Gewachsen mit Verantwortung Was zehn Jahre Entwicklung hinterlassen

Diese Entwicklung war keine Gerade nach oben, und wir erzählen sie auch nicht so. Die Pandemie hat den Verein wirtschaftlich auf null zurückgeworfen, das schnelle Wachstum danach hat Strukturen und Menschen gefordert, und nicht jeder, der am Anfang dabei war, ist es heute noch. Entscheidend ist, was aus diesen Phasen geworden ist: Aus der Krise entstand ein neues Programm, aus dem Wachstum entstanden die Strukturen eines professionellen Trägers – wissenschaftliche Wirkmodelle für jedes Programm, eine eigene verbandszertifizierte Trainerausbildung, ein Kinderschutzkonzept, das auf Vorstandsebene gelebt wird, und eine Finanzierung, die zu rund 70 Prozent auf eigener Leistung steht.

Geblieben ist dabei der Maßstab des ersten Tages: dass jedes Kind erleben soll, wie es ist, von einer Gruppe so akzeptiert zu werden, wie es ist.

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