10 Jahre Helden e.V.
16. November 2025

Wir feiern 10-jähriges Jubiläum und blicken zurück auf eine Zeit voller Ideen, Herausforderungen, Freundschaft und Mut.
Der Funke in Rödinghausen
Manchmal beginnt eine große Geschichte nicht mit einem fertigen Businessplan, sondern mit einem Ort und zwei Menschen, die zufällig am gleichen Wochenende in einer Jugendherberge sind…
Es war ein Abend während der Vorbereitung der Klassengemeinschaftswochen im Kreis Herford. Inmitten Dutzender Trainerinnen und Trainer begegneten sich Thorsten Kröber und Sven Fritze zum ersten Mal.

Der eine, Thorsten Kröber, kannte die Jugendherberge Rödinghausen praktisch schon wie sein zweites Zuhause. Er hatte unzählige Klassengemeinschaftswochen begleitet und jede Ecke des Hauses mit Geschichten gefüllt.

Der andere, Sven Fritze, damals 28 Jahre alt, hatte gerade erlebt, wie es sich anfühlt, zu hundert Prozent in einer Gruppe akzeptiert zu werden. Er brannte dafür, Räume zu schaffen, in denen ein positiver Normen- und Werterahmen entsteht – ein Rahmen, in dem jeder das Gefühl hat: Ich darf hier so sein, wie ich bin.
Noch wussten sie nicht, dass sie neun Jahre später diese Klassengemeinschaftswochen selbst durchführen würden. Aber der Grundstein war gelegt.
Für alle, die sich schon einmal gefragt haben, wie man ein Social Startup gründet, liegt die Antwort hier: Mit einer Flasche Küstennebel, einem knisternden Kamin und zwei Menschen, die das Potenzial hatten, beste Freunde zu werden. Sie wollten in der Erlebnispädagogik neue Wege gehen. Am nächsten Morgen, ganz ohne Küstennebel, stand der Entschluss fest: Lass uns was zusammen gründen!
So begann die Geschichte des Helden e.V. ….
Die ersten Weggefährten
Wie in jedem Abenteuer braucht es mehr als nur eine Idee: Es braucht Weggefährten. Viele konnten sich nicht vorstellen, dass das funktionieren kann. Aber sieben Menschen fanden sich, die an dieselbe Vision glaubten. Sie trafen sich an einem Ort, der schon immer ein Zuhause für gute Gespräche, wilde Gedanken und große Pläne war: das Potemkin in Bielefeld.


Der Plan, alles „entspannt von zu Hause“ zu machen, hielt nicht lange an. Zehn Tage nach der Gründung, am 26. November 2015, bezog das Team sein erstes kleines Büro in Hövelhof – wenig Möbel, dafür viele Ideen.
In dieser Anfangszeit suchten sie nach Gleichgesinnten. Sven hörte auf einer Fachkonferenz von einem Psychologen in den USA, der dieselbe Idee verfolgte: Philip Zimbardo, der mit den Erkenntnissen der Sozialpsychologie Menschen befähigt, mutig zu handeln, wenn es darauf ankommt. Parallel stießen sie auf die Hero Construction Company, gegründet von Michelle Werning, der ersten Heroism-Trainerin Deutschlands.
Bereits im Mai 2016 waren die frischgebackenen Gründer bei Michelle eingeladen. Ihre Arbeit beruhte auf der Idee, dass jeder Mensch das Potenzial zum Helden in sich trägt. „Everything you do makes a difference.“ Mit diesem Satz hinterließ Michelle etwas, das den Helden e. V. bis heute prägt. Sie wurde zu einem Vorbild, einer engen Freundin, deren Wärme, Mut und Ideen in der Heldenakademie weiterleben.

Während die ersten Projekte anliefen, reiste Sven für mehrere Monate in die USA. In San Francisco stellte er fest, dass er ganz in der Nähe von Philip Zimbardo war. Es wurde zwar kein Lasagne-Abend, sondern ein gemütliches Kaffeetrinken, aber der Entschluss wurde gefasst: Der Helden e.V. übernimmt die deutsche Vertretung des Heroic Imagination Project.
Es folgten weitere wichtige Meilensteine:
- Die Anerkennung als Träger der freien Kinder- und Jugendhilfe.
- Die Zertifizierung durch den Bundesverband für Erlebnispädagogik.
- Die Aufnahme als Mitglied im Paritätischen Wohlfahrtsverband.
Wachstum und sichtbare Wirkung
Weil jedes Abenteuer Gefährten braucht, wuchs auch das Team. Ab 2018 wurde das erste Mal ausgebildet, und 2019 wurden 24 neue Trainerinnen und Trainer Teil des Vereins.

Gute Kooperationspartner wurden gefunden, wie die Jugendherbergen zwischen Nordsee und Sauerland. In Kooperation mit dem Kreis Herford wurden Ferienfreizeiten und Sprachcamps entwickelt und mit den Respect Coaches begann eine Zusammenarbeit zur Stärkung von Kindern und Jugendlichen.
Das Design Büro Freise half dabei, die Außenwirkung zu schärfen. Es entstand nicht nur eine neue Website, sondern auch die Kampagne „OWL ohne Mobbing“. Die Reichweite wuchs: 2019 wurden bereits über 1.900 Kinder und Jugendliche erreicht.
2019 gingen die ersten Förderanträge durch. Mit der Förderung der Auerbach-Stiftung entstanden die ersten mobilen Escape Rooms „Emma & Tom“ – ein neuer, kreativer Ansatz zu den Themen Cybermobbing und Cybergrooming. Darüber hinaus berief der Helden e.V. ein Thinktank Wochenende ein, um auf Nachhaltigkeit und Klimawandel zu reagieren. Das Ergebnis: der Global Bystander Workshop.
Angebote angepasst an die Krisen unserer Zeit
So hätte es gut weitergehen können. Im März 2020 startete wieder eine neue Ausbildung – Gemeinschaft am Lagerfeuer, Teamaufgaben und jede Menge Spaß. Im November 2020 stieß Johanna Griese dazu, die mittlerweile ein essentieller Teil des Vorstands ist.
Doch schon in der zweiten Ausbildungswoche im März kam der Lockdown. Schulen schlossen, Programme wurden abgesagt, die Ausbildung musste abgebrochen werden. Kurzarbeit. Stillstand. Gerade in dem Moment, als der Verein Fahrt aufnahm, riss die Pandemie alles aus der Bewegung.

Stillstand war jedoch noch nie das, was der Verein gut konnte. Im Juni 2020 startete der Podcast „I need a hero“ über Mut, Haltung und Menschlichkeit in einer Zeit, die vielen den Boden unter den Füßen wegzog. Bis heute sind daraus 52 Folgen entstanden.
Obwohl die Arbeit an Schulen extrem herausfordernd war, wurde weiter geschaut, wie Kindern und Jugendlichen geholfen werden konnte. Im April 2021 wurde unter dem Motto „Stay Together“ eine Kampagne ins Leben gerufen, bei der über 50 Metalbands den Verein unterstützten – mit der klaren Botschaft: Gemeinsam gegen (Cyber-)Mobbing.
Die Welt hat sich verändert – und mit ihr die Herausforderungen. Haltung ist das, was trägt. Die Heldenakademie blieb das Herzstück der Arbeit: einen positiven Normen- und Werterahmen zu schaffen, in dem dissoziale Phänomene keinen Platz haben. Aus dieser Grundidee entstanden neue Formate, die auf die Krise reagierten:
- 2020: „Psychisch gesund durch die Krise“.
- 2021: Der Workshop „Deine Wahl“, der Jugendliche bestärkt, Demokratie aktiv mitzugestalten.
- 2022: „Escape the Extremism“ – ein mobiles Escape-Room-Format, das spielerisch über Manipulation und Radikalisierung aufklärt.
Die Resilienz und Haltung wurden belohnt:

Help and Hope Award
Die Stiftung help and hope hat den Helden e.V. 2020 mit dem Förderpreis zum Thema Cybermobbing bei Kindern und Jugendlichen ausgezeichnet.

Hidden Movers Award
Die Deloitte-Stiftung hat unsere Mobilen Escaperooms 2021 mit dem Hidden Movers Award ausgezeichnet.

Lupoleo Award
Wir freuen uns: 2022 waren wir mit „Psychisch gesund durch die Krise“ unter den Finalisten des Lupoleo Award.

Wir freuen uns mit der Heldenakademie Hauptpreisträger 2024 vom HanseMerkur Preis zu sein.
Die Wildnisschule Senne
Ein großes Projekt, das viel Geduld erforderte, war der Aufbau der Wildnisschule Senne in Hövelhof. Bereits im April 2021 erschien dazu ein Artikel im Westfalen Blatt, in dem das Konzept, das in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Hövelhof und Gemeindeförster Klaus Wullenweber entstand, gelobt wurde. Dank dem Förderprogramm „Heimat Zeugnis“ wurde dieses Projekt möglich, aber: So schnell ging es trotz der Unterstützung von Udo Förster nicht.

Es brauchte viel Geduld, fleißige Helfer, Hackschnitzel und Schweiß. Ein wichtiger Teil dieser Reise wurde Peter Klaus, eines der sieben Gründungsmitglieder, der 2021 beschloss, die Ausbildung zu machen und seitdem ein fester Teil des Teams ist, auch über die Wildnisschule hinaus.
Nach knapp zwei Jahren Bauzeit – und obwohl beim Tag der offenen Tür im September 2022 noch nicht alles fertig war – konnte die Wildnisschule Senne im September 2023 dann endlich offiziell eröffnet werden. Seither finden dort dank Förderungen wie dem Landesjugendamt oder der Heidehofstiftung Ferienangebote, Waldgruppen und weitere Angebote statt.
Auf zu neuen Ufern
Das Projekt Helden e.V. wird nach und nach immer größer, die Programme finden nicht mehr nur im Umkreis, sondern deutschlandweit statt. Die Ausbildung findet inzwischen dreimal im Jahr statt, um genügend Trainerinnen und Trainer für die Anfragen der Schulen auszubilden.
Die Zeichen stehen auf Erfolg: Seit 2024 ist der Helden e.V. Kooperationspartner der Jugendherberge in Simmerath in der Eifel. Und der Kreis schließt sich in Rödinghausen: Seit diesem Jahr führen wir die Klassengemeinschaftswochen im Kreis Herford durch – genau dort, wo vor zehn Jahren alles begann.
Das wahre Herzstück
Die eigentliche Seite dieser Geschichte spielt nicht in Anträgen, Ausschüssen oder Konzeptpapieren. Sie spielt dort, wo jeden Tag etwas passiert, das sich nicht in Dokumenten festhalten lässt:
In Workshops, in Ferienfreizeiten, auf Klassenfahrten, in kleinen Momenten von Mut, Vertrauen, Teamgeist, in Kindern und Jugendlichen, die spüren: Ich kann etwas. Ich bin wichtig. Diese Momente sind der wahre Kern, das Herzstück unserer Arbeit. Sie sind der Grund, warum all die anderen Schritte überhaupt Bedeutung haben.

Und wenn wir heute zurückblicken, könnten wir mit all den Kindern und Jugendlichen, die wir bisher erreicht haben, das Olympiastadion in Berlin komplett füllen. Und draußen würden immer noch über 20.000 stehen.
Auf die nächsten zehn Jahre, in denen wir gemeinsam noch mehr Helden in dieser Welt entdecken und bestärken werden!
